Familienbesuch
Nun ist es schon eine ganze Weile her seit meinem letzten Blogeintrag, ihr müsst entschuldigen aber mit der Zeit wurde ich irgendwie müde regelmäßig ein Update zu machen, auch weil einfach nicht soviel passiert. Leben in Kenia mag sich für viele wahrscheinlich erst einmal spannend anhören ist aber dennoch nur Alltag, das Wiederholen der gleichen, irgendwann nervtötenden Abläufe, das Treffen immer derselben Menschen das nur gelegentlich durch ein kurzes Highlight unterbrochen wird um dann wieder zurück in den gebetsmühlenartigen Alltag zu verfallen. Das hört sich jetzt womöglich langweilig an, bedeutet aber auch dass ich angekommen bin und mich hier eingelebt habe, dass mir manche Dinge, die es zu berichten wert wäre, gar nicht mehr auffallen weil sie für mich so normal geworden sind. Allerdings passierte Anfang April etwas Außergewöhnliches, meine Familie besuchte mich!
Am Abend des 31. Mai holte ich sie vom Flughafen ab. Voller Erwartungen und ganz gespannt auf die folgenden zwei Wochen standen sie da. Sie wirkten auch ein bisschen verloren, wie Besucher aus einer anderen Welt. An jenem Abend wurde ihnen das aber noch nicht ganz bewusst, wir fuhren in eine äußerst edle Wohnung eines Freundes von mir, unserer Unterkunft für die Zeit in Nairobi. In den nächsten Tagen wurde ihnen die Unterschiede zu Deutschland aber doch allzu bewusst. Der höllische Verkehr Nairobis mit seinen rücksichtslosen Matatufahrern, die Reichen und ihre auf einen Hungerlohn angewiesenen Untergebenen, die Tatsache dass man auch in Nairobi mit Geld ein Leben führen kann, das einem westlichen zumindest gleichwertig ist. Der Nationalpark mitten in Nairobi machte ihnen Freude, das launische, regnerische Wetter der Hauptstadt dagegen nicht. In Bungoma angekommen lernten sie das Kinderheim, von dem ich immerzu erzählte und in dem sich ein Großteil meines Lebens abspielt endlich kennen. Mancher blühte auf beim Spielen mit den Kindern, eine andere fand Beschäftigung in der Küche. In Kakamega (nicht meine Schuld dass die Stadt so heißt) besuchten wir noch einen der wenigen verbliebenen Regenwälder Kenias. Unsere Ausflüge waren viel, aber nie erlebnisarm. Als dann am 16. April wieder der Heimflug anstand verließen sie das Land mit einem Eindruck Kenias als ein Land, das anders war als in ihren Erwartungen, das eine unglaublichen Naturschatz hat, aber nicht genügend würdigt und als ein Land der Paradoxe. Ein Land in dem unglaublicher Wohlstand und existenzbedrohende Armut näher zusammenleben als sie das sonst irgendwo erlebt hatten. In dem zwar jeder ein Handy besitzt aber viele immer noch keinen Strom haben. Vielleicht verließen sie es auch mit einer Vorstellung warum dieses Land so arm ist. Einer Vorstellung die stark von Kultur und Korruption geprägt ist. Und doch ist dieser Erklärungsversuch, so glaube ich fest, zu einfach.