Dienstag, 1. Mai 2012
Familienbesuch
Nun ist es schon eine ganze Weile her seit meinem letzten Blogeintrag, ihr müsst entschuldigen aber mit der Zeit wurde ich irgendwie müde regelmäßig ein Update zu machen, auch weil einfach nicht soviel passiert. Leben in Kenia mag sich für viele wahrscheinlich erst einmal spannend anhören ist aber dennoch nur Alltag, das Wiederholen der gleichen, irgendwann nervtötenden Abläufe, das Treffen immer derselben Menschen das nur gelegentlich durch ein kurzes Highlight unterbrochen wird um dann wieder zurück in den gebetsmühlenartigen Alltag zu verfallen. Das hört sich jetzt womöglich langweilig an, bedeutet aber auch dass ich angekommen bin und mich hier eingelebt habe, dass mir manche Dinge, die es zu berichten wert wäre, gar nicht mehr auffallen weil sie für mich so normal geworden sind. Allerdings passierte Anfang April etwas Außergewöhnliches, meine Familie besuchte mich!
Am Abend des 31. Mai holte ich sie vom Flughafen ab. Voller Erwartungen und ganz gespannt auf die folgenden zwei Wochen standen sie da. Sie wirkten auch ein bisschen verloren, wie Besucher aus einer anderen Welt. An jenem Abend wurde ihnen das aber noch nicht ganz bewusst, wir fuhren in eine äußerst edle Wohnung eines Freundes von mir, unserer Unterkunft für die Zeit in Nairobi. In den nächsten Tagen wurde ihnen die Unterschiede zu Deutschland aber doch allzu bewusst. Der höllische Verkehr Nairobis mit seinen rücksichtslosen Matatufahrern, die Reichen und ihre auf einen Hungerlohn angewiesenen Untergebenen, die Tatsache dass man auch in Nairobi mit Geld ein Leben führen kann, das einem westlichen zumindest gleichwertig ist. Der Nationalpark mitten in Nairobi machte ihnen Freude, das launische, regnerische Wetter der Hauptstadt dagegen nicht. In Bungoma angekommen lernten sie das Kinderheim, von dem ich immerzu erzählte und in dem sich ein Großteil meines Lebens abspielt endlich kennen. Mancher blühte auf beim Spielen mit den Kindern, eine andere fand Beschäftigung in der Küche. In Kakamega (nicht meine Schuld dass die Stadt so heißt) besuchten wir noch einen der wenigen verbliebenen Regenwälder Kenias. Unsere Ausflüge waren viel, aber nie erlebnisarm. Als dann am 16. April wieder der Heimflug anstand verließen sie das Land mit einem Eindruck Kenias als ein Land, das anders war als in ihren Erwartungen, das eine unglaublichen Naturschatz hat, aber nicht genügend würdigt und als ein Land der Paradoxe. Ein Land in dem unglaublicher Wohlstand und existenzbedrohende Armut näher zusammenleben als sie das sonst irgendwo erlebt hatten. In dem zwar jeder ein Handy besitzt aber viele immer noch keinen Strom haben. Vielleicht verließen sie es auch mit einer Vorstellung warum dieses Land so arm ist. Einer Vorstellung die stark von Kultur und Korruption geprägt ist. Und doch ist dieser Erklärungsversuch, so glaube ich fest, zu einfach.



Montag, 2. April 2012
Ein Hasenstall...
Die letzten 2 Wochen waren Lara und ich beinahe ausschiesslich mit dem Bau des neuen Hasenstalls beschaeftigt. Alles ging gut voran doch schon bald stellten wir fest, dass unsere Planung grosse Schwachstellen hatte. Das Projekt wurde teurer als veranschlagt aber letztendlich sprengte es den Rahmen einschliesslich Puffer nicht. Nach einigen Problemen mit dem eingestellten Handwerker half ein Freund fuer die letzten zwei Tage aus und so konnten die Hasen 3 Stunden vor meiner Abreise nach Nairobi in ihr neues Heim ziehen. Falls es der eben erwaehnte Freund genehmigt, wird er auch hier mit einem Blogeintrag belohnt werden. Er ist Musiker und baut gerade ein Studio in Bungoma auf. Aber wie gesagt, mehr koennte folgen...



Montag, 27. Februar 2012
Machtkämpfe
Es herrscht Wahlkampfstimmung in Kenia. Die nächsten Wahlen finden vermutlich Ende 2012 statt und nun ziehen Politiker durchs Land um Parteimitglieder zu treffen und erste Wählerstimmen zu gewinnen. Es gibt erbitterte Medienschlachten der Präsidentschaftskandidaten, keine Spur von einem Sommerloch in Sicht.
Vor kurzem war der Minister für Auslandsangelegenheiten in Bungoma. Er gehört zum Stamm der Bukusu wie die meisten Einwohner der Stadt. Allgemein wird in der kenianischen Politik selten über die eigenen Stammesgrenzen geschaut. Wie auch? Es gibt die gängige und in der Vergangenheit auch oft praktizierte Theorie, dass der Präsident seine Stammesangehörigen bevorzugt und ihnen wichtige Ämter zuschaufelt.
Im Moment müssen sich zwei Präsidentschaftskandidaten vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Sie sind beschuldigt die Greueltaten nach der Wahl 07/08 finanziert und organisiert zu haben. Bei den Kämpfen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen kam es zu über 1100 Toten.