Knastbrüder
Montag morgen, Kinderheim: Ein Reisebus fährt vor. Schwerbewaffnete Uniformierte steigen aus, ihnen folgt eine Schar von Sträflingen. Während deutsche Kinder Waffen nur aus dem Fernsehen kennen erleben unsere kenianischen geradezu eine Waffenschau. Alles ist dabei.
Vor kurzem hörte ich von einem ehemaligen Freiwilligen dass auch manche Securitys mit Granatwerfern ausgestattet sind.
Die Knastbrüder verbringen den Tag hier im Kinderheim, sie arbeiten auf der
Farm oder kümmern sich um andere anfallende Arbeiten. Währenddessen verlier ich meinen Geldbeutel. Die Kreditkarte wurde sofort gesperrt, jedoch stehe ich nun ohne Geld da.
Der ausgesetzte Finderlohn zeigte anscheinend Wirkung und abends erhielt ich die Nachricht, dass mein Geldbeutel bei dem Chief Officer hier gelandet ist.
Am nächsten Morgen begab ich mich mit den beiden Menschen, die meinen Geldbeutel fanden in Richtung Chief Officer Büro. Wir trafen ihn dann in seiner Dienstzeit gemütlich einen Cafe schlurfend an. Ich erhielt alles zurück, anschließend durfte ich noch eine Führung durch das Privatbusiness des Chief Officers genießen, die mit dem Wunsch endete ihm doch ein paar Freiwillige für seine Hotel zu besorgen. Falls ihr Lust habt unbezahlt für die Bereicherung eines Reichen zu arbeiten, schreibt ne Mail!
peace911 am 01. Oktober 11
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Uganda
Am Samstag abend fuhr ich mit einem ehemaligen Freiwilligen und seinem Kumpel nach Uganda. Die ersten 1 ½ Stunden in einem unbequemen Kleinbus, die nächsten 1 ½ dann auf ugandischer Seite in einem noch unbequemeren 5 Sitzer mit 7 Mitfahrern.
Endlich erreichten wir den Klub. Zuerst mussten die strengen Sicherheitskontrollen mit den Typen und ihren MPs überstanden werden. Danach gings Billard spielen. Überall standen Fernseher wobei man Barca bei ihrem überragenden 8-0 Sieg bewundern durfte. Nach einer halben Stunde fiel dann der Strom in dem Viertel aus doch der Klub war natürlich bestens mit einem Notstromaggregat ausgestattet, dachten wir. Denn nach einer halben Stunde Dienst ging der Brennstoff aus. So war der ganze Klub im Dunkeln. Anscheinend waren andere Leute besser ausgestattet als unsere Location und so grinsten die umliegenden Lichter höhnisch auf uns herab.
Als Weißer muss man hier nur einmal über die Tanzfläche laufen und man hat eine Anfrage einer Prostituierten. Das Verkaufen des eigenen Körpers ist hier sowieso ziemlich weit verbreitet. Viele Kellnerin benutzen ihren Job nämlich dazu Kunden anzuwerben. Ohne ihren, für ostafrikanische Verhältnisse, lukrativen Nebenverdienst würden auch sie in absoluter Armut (weniger als 1 Dollar am Tag) verdienen.
peace911 am 01. Oktober 11
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Kleine Statistik
Tage in Kenia: 18
Regenfälle: 15
Heimweh auf der internationalen Heimweh-skala: 3 von 10
Mosquitostiche: 5
Selbstgekochte Essen: 0
Aktuelles Lied in der Wiedergabeliste: better together – Jack Johnson
Angeschaute Filme: 0
Gegessenes Toastbroad: 75
Anzahl der Reisen bisher: 1
Gelesene Bücher: ½
Abgehobenes Geld: 30000 Schilling (230 €)
Stromausfälle: mind. 10
Wasserausfälle: gefühlte 13
Erhaltene Gedichte: 1
Abends ausgewesen: 2
peace911 am 01. Oktober 11
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Was seitdem geschah...
Ich lebe mich hier ganz gut ein. Der Lehrerstreik ist beendet, die Regierung hat zugestimmt einige neue Lehrer einzustellen. Also sind die Kinder jetzt alle bis um 5 Uhr in der Schule und ich bekomme sie nur noch selten zu Gesicht.
Lasst mich einige Worte zu dem Hasenprojekt hier verlieren. Wir besitzen um die 50 Hasen, Anzahl sinkend. Dieses Jahr im Maerz kamen einige Norwegerinnen für 3 Monate hier her. Wie der Mensch nun mal so ist wenn er Elend sieht, haben sie hier einen hasenunwuerdigen Hasenstall errichtet und nun haben wir den ersten Hasennachwuchs von dem aber wahrscheinlich nur 10% ueberleben werden. Also hab ich mich gemeinsam mit dem Farmmanager hier zu einer professionellen Hasenzucht begeben, die uns auch all ihre Zuchtmethoden in einem Buch ausgehändigt haben. Ich plane derzeit einen neuen Hasenstall für 5 Hasen zu errichten.
Einiges Abends ist dann meine Soundkarte ausgefallen, Musikhoeren hat sich damit dann wohl erledigt.
Ich bin gerade dabei die Geschichten der Kinder zu digitalisieren. Hier eine typische: Yvonne, ein 14jaehriges Mädchen hier, ist die erste die man wahrnimmt wenn man das Heim betritt. Sie will immer zuerst alle Gaeste begruessen. Sie ist ein Kind das von ihrer Mutter im Alter von 2 Jahren einfach irgendwo stehen gelassen wurde womöglich weil sie geistig behindert ist. Spaeter wurde sie dann in dieses Kinderheim gebracht. Und sie ist diejenige die mich 5 mal am Tag begruesst hat um mich dann zu fragen wie sie heisst obwohl Yvonne der Name war den ich als erstes zuordnen konnte. Yvonne kam mit allen hier in diesem Heim gut klar. Yvonne ist an diesem Samstag gestorben, waehrend eines epileptischen Anfalls an ihrer eigenen Zunge erstickt. Ihre Geschichte ist damit abgeschlossen.
peace911 am 21. September 11
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Das 9/11 Special
Nun sitz ich also hier und schreibe ein 9/11 Special. Das klingt ziemlich makaber, warum sollte man für den 10ten Jahrestag des geschichtsschreibenden Anschlags auf das World Trade Center extra ein paar Zeilen schreiben die in erster Linie ueberhaupt nichts mit den Opfern zu tun haben? Nun, weil das folgende ziemlich makaber wird.
Ein anderer Freiwilliger mit dem ich während des Vorbereitungsseminars ein Zimmer bezog berichtete von folgendem Schreckensszenario: Er sieht dabei zu wie eine Frau von einem Jeep erfasst und durch die Luft geschleudert wird und so hart aufschlägt wie das nun mal passiert wenn ein Jeep mit 50 km/h ein 60-Kilo-Geschöpf rammt.
Wie reagiert Ost-Afrika im Normalfall darauf? Ein wütender Mob zerlegt den Unfallverursacher in mehr Einzelteile als man es mit seinem Jeep tun könnte. Selbstjustiz ist in solchen Fällen an der Tagesordnung. Die Zeitungen sind voll von solchen Stories. Ja, die Menschen hier empfinden es sogar als komisch dass man in Deutschland den Liebhaber seiner Frau nicht umbringen darf. Ziemlich makaber. Aber das ist nun mal das 9/11 Special.
Guten Abend liebe Freunde,
Heute morgen ging ich in meinen besten Klamotten in die Kirche. Alles ist sehr laut, waehrend der Predigt wird viel geschrieen und beim Gesang wird nur improvisiert. Danach liess ich mir dummerweise 3 Handynummern aufschwatzen von denen mich auch prompt einer anrief.
Ihr muesst wissen, Weisse werden hier extrem zuvorkommend behandelt, ich habe hier auch erst einen anderen Weissen entdecken können. Danach gings ans Waschen. Mir wurden zig Angebote gemacht meine Klamotten zu waschen jedoch schlug ich sie alle aus und machte mich an die Arbeit. Die Kleider waren gewaschen, danach gings ans Putzen hier im Haus.
Ich hatte gerade 30 Quadratzentimeter gewischt, da erschien ein Junge aus dem Projekt. Ihm folgten nach und nach noch 2 weitere und so hingen wir schliesslich zu 4t in meiner Wohnung rum ohne etwas zu tun zu haben. Eins liebe ich wirklich an euch! Ihr wisst wann ihr besser gehen solltet.
Heute Abend entdeckte ich dann noch einen Ort an dem ich Premier League Fussball verfolgen kann. Anscheinend gibt es dort auch das worauf Deutsche meinen ein Monopol zu haben: Gutes Bier! Ich schreibe mehr sobald ich es in Erfahrung gebracht habe ob unser Monopol gefallen ist.
peace911 am 12. September 11
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Strom läuft, Wasser weg
Also wie ihr schon lesen könnt funktioniert mein Strom jetzt bestens allerdings hat das Wasser anscheinend beschlossen einen Bogen um mein Haus zu machen.
Nun kurz zu den Kindern im Heim. Sie sind zwischen 0-21 Jahre alt und viele von ihnen sind Vollwaisen, bzw. wissen nichts über ihre Erzeuger.
Es gibt im Heim für die Jungs und Mädels nicht allzu viel zu tun und so lungern sie die meiste Zeit herum und sind für alles zu haben.
peace911 am 12. September 11
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Karibu Bungoma (Willkommen in Bungoma)
Also ich bin jetzt gut in Bungoma angekommen nachdem unsere Gruppe zwei Nächte bei unserem lokalen Koordinator David verbracht hat. Die Landschaft hier ist wunderschön, ich kann es kaum erwarten meine erste Reise zu unternehmen um mehr davon zu sehn. Auf der Fahrt auf einer kenianischen Autobahn hab ich das erste mal Antilopen und Zebras in freier Wildbahn gesehn. Sehr beeindruckend.
In Bungoma bin ich so etwas wie eine kleine Berühmtheit. Andauernd grüßen mich Leute, Kinder rufen Mzungu (Weißer) und jeder versucht mich zu überzeugen bei ihm einzukaufen. Aber die Reaktionen sind nicht durchweg positiv.
Das Projekt ist echt cool bisher, ich versteh mich richtig gut mit den Kindern. Heute war ich 10 Stunden im Kinderheim, habe Holz gehackt und ein Spiel gelernt das eine Vergewaltigung unserer „Dame“ ist und ich darf mich nun stolzer Besitzer dieser Schuhe nennen (s. Bild).
Die Leistung des Stromnetzes hier ist alles andere als optimal und so ist mein Kühlschrank im besten Fall Dekoration und im schlimmsten Platzverschwendung. Wenn ich den Laptopakku lade, beginnen die Glühbirnen im Haus alle 2 Sekunden auszugehen, das ist ziemlich uncool denn auch das „security light“ hält sich an die Vorgehensweise seiner Kollegen. Vielleicht sollte ich noch dazu erwähnen dass meine Wohnung von Wänden mit zerbrochenen Glasscheiben darauf (s. Bild) umgeben ist und anscheinend auch ein Nachwächter unsere Straße im Auge hat.
peace911 am 12. September 11
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