Mittwoch, 25. Januar 2012
Kakuma
"Wir achten nicht darauf wieviele Leute in unserem Bus sitzen, wir wollen nur zeitig losfahren", war der Satz den mir ein Busfahrer um 10 Uhr morgens sagte und der 4 Stunden spaeter in meinen Ohren widerhallte als sich der vollgerammelte Reisebus endlich gen Kakuma in Bewegung setzte.
Aber ich ueberspringe einiges. Seit einiger Zeit hegte ich den Wunsch ein Fluechtlingslager zu besuchen. In der Naehe der somalischen Grenze befindet sich das Dadab-Camp. Jedoch ist dort die Sicherheitslage ziemlich kritisch. Die Terrorgruppe Al-Shabab ist dort aktiv und zwang schon einige Organisationen sich aus der Region zurueck zu ziehen oder unter Begleitung schwerbewaffneter Sicherheitskraefte zu arbeiten.
Ich fand jedoch eine Alternative. Kakuma befindet sich im Nordwesten Kenias an der sudanesischen Grenze. Dieses Camp besteht schon seit Anfang der 90er Jahre und beherbergt 80000 Menschen, darunter Somalis (55%), Sudanesen (25%), Kongolesen (10%) und Aethiopier (10%). Ueber das Internet erhielt ich Kontakt zu einem deutschen Jesuiten der dort seit nun ein einhalb Jahren taetig ist. Die Busfahrt zieht sich ewig, die vielen Stopps bei denen Ein- und Ausgeladen oder Ladeklappen provisorisch repariert werden, schieben die Ankunftszeit immer weiter hinaus. Waehrend der Busfahrt bemerke ich die langsame Veraenderung der Vegetation. Das viele Gruen Bungomas verwandelt sich langsam in die Halbwueste Turkana. Die Pflanzen hier haben einen sehr effektiven Wasserhaushalt. Ein 20 Meter breites, ausgetrocknetes Flussbett zeigt den Wassermangel der Region. Doch bei dem starken Niederschlag waehrend der Regenzeit errinnert nichts mehr an das trockene, wuestenartige Flussbett. Auch den Menschen hier sieht man die Trockenheit an. Die Turkana, der ansaessige Stamm ist gross und sehr duenn. Sie leben einzig und allein von Viehzucht und sind teilweise Halbnomaden. Das Fluechtlingslager hat vielen von ihnen Arbeit gegeben. Die Turkana kleiden sich auch heute noch sehr traditionell. Die Maenner tragen eine Art Gewand und haben immer ihre Hirtenstoecke dabei. Bei den Frauen fallen die durch Ringe gestreckten Haelse auf.
Nun, um 6 Uhr morgens betrete ich das Camp. Es gleicht einer kenianischen Stadt. Es gibt hier kleine Strassenlaeden und allerlei Dienstleister. Nach dem Fruehstueck in einem der kleinen Restaurants erkunde ich die Gegend. Ich treffe Christian, den oben erwaehnten Deutschen, und wir fahren in einem dieser UN-Jeeps durch das Camp. Er erklaert mir seine Arbeit, ein Fernstudienprogramm fuer einige der Fluechtlinge und betont dass es sehr viele dieser Fluechtlinge noch lange in diesem Camp leben werden. Sie wollen oder koennen nicht zurueck. Sie sind traumatisiert oder wollen das Leben, das sie sich in Kakuma aufgebaut haben nicht gegen ein nichts in ihrem Heimatland eintauschen. Deshalb wird Kakuma in absehbarer Zeit nicht leer werden. Hier haben Menschen ein neues Zuhause gefunden.